Montag, 21. August 2017
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Beppo Pohlmann

Beppo Pohlmann

Eigentlich habe ich ja nichts gegen Radfahren, ABER ...


(Berlindabei - Friedenau & Umgebung 3)

 

Eigentlich finde ich Radfahren ja ganz toll, unter anderem weil es eine Tätigkeit ist, die man im Sitzen ausüben kann, aber andererseits ist Radeln in Berlin nicht ganz ungefährlich. Wenn ich zum Beispiel an einer roten Fahrradampel halte, habe ich die latente Angst, dass ganze Kohorten von Radel-Rambos mir hinten drauf fahren. Die fahren nach der Devise „Wer später bremst, ist länger schnell!“ oder auch „Wer Rückenwind spürt, ist zu langsam!“.

Auf Mallorca, wo Radfahrer in den Frühlingsmonaten den offiziellen Status der Landplage innehaben, habe ich mal gehört, wie einer dieser Turbopedalisten zum anderen sagte: „Richtig schnell bist du nur, wenn du in den Alpen bergauf in der Kurve abbremsen musst!“

Aber außer diesen High-Speed-Stramplern, die den Vergleich mit den Lichthupenterroristen auf deutschen Autobahnen nicht zu scheu­en brauchen, gibt es auch noch andere Abarten dieser Trampeltiere.
Die „Überallfahrer“, die, wie der Name andeutet, überall fahren, nur nicht auf Radwegen − außer an Bushaltestellen, wo sie die Fuß­gänger, die aus dem Bus steigen und über die Fahrradspur latschen, laut klingelnd als „Wichser“ beschimpfen dürfen.

Die „Leisetreter“, die, wenn ich traumverloren eine Nebenstraße zu Fuß überqueren will, ohne Klingeln oder Rufen 30 Millimeter vor meiner Nase entlangdüsen.

Die „Überzeugungsradler“, die der Überzeugung sind, die besseren Menschen zu sein, weil sie persönlich täglich die Umwelt retten und den Klimawandel aufhalten. Diese Sippe erkennt man unter ande­rem daran, dass es ihnen anscheinend bei Strafe verboten ist, sich bei Autofahrern, die ihnen in engen Straßen den Weg frei halten, mit einem Handzeichen oder gar einem Lächeln zu bedanken.

Oder die „alternativen Radelmuttis“. Wenn sie ein Kind hinten mit drauf haben, tragen sie auch immer einen Rucksack, was das Kind dazu zwingt, stundenlang jene Halsbeugung einzunehmen, die Kunst- und Turmspringer zehntelsekundenlang beim einge­schraub­ten Rückwärtssalto haben.

Zum Schluss die „Pedal-Guerillas“, die Fahrradkuriere. Einer von ihnen beklagte sich mal im Fernsehen, dass sich die Autofahrer nicht an die Straßenverkehrsordnung halten. Vom Reporter darauf ange­sprochen, dass der Kurier rote Ampeln stetig mit Missachtung straft, gern mal falsch herum durch die Einbahnstraße düst und im Be­darfs­fall auch nicht vor der Benutzung der Stadtautobahn zurück­schreckt, meinte er nur: „Ich behandle die Ver­kehrs­regeln eben kreativ!“

Eigentlich habe ich nichts gegen Kreativität, ich lebe zum Teil davon, aber diese „Könige der Straße“ von eigenen Gnaden, die jagen mir Angst ein!

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