Samstag, 20. September 2014
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Beppo PohlmannVon Beppo Pohlmann

Eigentlich habe ich ja nichts gegen Straßenverkäufer,

ABER ...

 

(Berlindabei - Rüdesheimer Platz & Umgebung 6)

 

 

Sie tun was für ihr Geld. Sie betteln nicht, sondern bieten eine Gegenleistung. Einen Teil des Geldes können sie behalten, ein anderer fließt in soziale Projekte. Schließlich sichern sie – und das sei nur am Rande bemerkt – den Arbeitsplatz der Zeitungs­macher.

 

Als diese Straßenzeitungen neu waren, habe ich öfter mal eine gekauft, bis ich merkte, dass mich die Artikel nur äußerst mäßig interessierten. Selbst ein Interview mit mir vor einigen Jahren öde­te mich regelrecht an, kein Wunder, ich wusste ja, was drin stand.

 

Deshalb habe ich damals die Mark und jetzt den Euro (okay, mal auch nur 50 Cent) den Leuten so gegeben und ihnen die Zeitung gelassen. Das habe ich gern getan, bis die Verkäufer mit der Unvermeidlichkeit eines Gitarrensolos in der Musik der 1970er Jahre bei jeder U-Bahn-Fahrt auftauchten und ihr Sprüchlein auf­sagten. Alle sehr ähnlich. Haben die dafür 'n Trainer?

 

Ich halte das für einen Trick, denjenigen, der nichts gibt, als hem­mungslosen Sozialdarwinisten dastehen zu lassen, vor allem vor den Touristen, die alle etwas geben! Und gegen solche Mas­chen bin ich allergisch, seit ich als Student aus der Provinz fast mein ganzes erstes BAföG an die Bettler verschleudert habe, die mit dem Spruch „Haste mal 'ne Mark?“ die U-Bahn bevölkerten. Die Begründungen dieses finanziellen Bedürfnisses

waren mannigfaltig, aber der Renner war, dass man die paar Groschen für eine Fahrkarte brauchte.

 

 

Einem dieser armen Menschen gab ich genügend Geld für zwei Tickets und er lief damit schnurstracks – nein, nicht zum Auto­ma­ten oder Fahrkartenschalter – zum nächsten Mens­chen, zwei Meter weiter, und tischte dem dieselbe Geschichte auf. Er hatte nicht mal den Anstand, zu warten, bis ich au­ßer Hörweite war. Das hat mich geheilt und hart gemacht für 35 Jahre U-Bahn-Fahren in Berlin. Und des­halb gebe ich in der Bahn nichts!

 

Auch die, die einen vor Supermärkten und Postfilialen mit Guten-Tag-Sagen terrorisieren, kriegen nix. Ich zucke ja auch zusammen, wenn mir bei meinen Besuchen in der Provinz wildfremde Kinder einen „Guten Tag“ entgegen­schleudern. In Berlin, wo es schon als höflich gilt, wenn die Stimme in der U-Bahn dem herrischen „Einsteigen!“ noch ein lakonisches „Bitte“ hinzufügt, ist das Wünschen eines guten Tages so etwas wie ein tätlicher Angriff.

 

Nachdem ich nun so lange und ausgiebig gemeckert habe, glaube ich, ich werde so langsam zu einem echten Ber­liner. Schließlich ist „Da kannste nich meckern“ das höch­ste Lob aus der viel gerühmten Schnauze mit Herz. Eigentlich ist das vermutlich ein Klischee,

 

aber ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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